Blitzlicht Juli 2021

Steuerberater Hannover - Blitzlicht

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Wir freuen uns, Ihnen heute unseren Informationsbrief ‚ÄěBlitzlicht‚Äú f√ľr den Monat Juli 2021 zusenden zu k√∂nnen.

Nachfolgend eine kurze Inhaltsangabe:

Einkommensteuer

  • Sind Verlustverrechnungsbeschr√§nkungen f√ľr Aktienver√§u√üerungsverluste verfassungswidrig?
  • Berechnungsparameter f√ľr die Vermeidung einer doppelten Besteuerung von Renten
  • Bei privaten Renten kann es systembedingt nicht zu doppelter Besteuerung kommen
  • Online-Poker: Gewinne k√∂nnen der Einkommen- und Gewerbesteuer unterliegen
  • Ertragsteuerliche Erfassung der Zinsen auf Steuernachforderungen und Steuererstattungen
  • Kapitaleink√ľnfte aus betr√ľgerischem Schneeballsystem sind grunds√§tzlich nicht mehr der Einkommensteuerfestsetzung zugrunde zu legen
  • Entlastungsbetrag f√ľr Alleinerziehende und Ehegattensplitting nicht im selben Jahr
  • Handwerkerkosten auch bei Auszug steuerlich absetzen
  • Steuerliche Nutzungsdauer f√ľr beruflich angeschaffte Computer, Drucker, Software etc. verk√ľrzt
  • Steuerfolgen bei Vermietung von Ferienwohnungen/-h√§usern im Ausland

 

Zivilrecht

  • Zweifel an Zahlungsf√§higkeit – Immobilienmakler muss von riskantem Gesch√§ft abraten

 

Wir w√ľnschen Ihnen viel Spa√ü beim Lesen und stehen Ihnen f√ľr Fragen wie immer gern zur Verf√ľgung!

Sprechen Sie uns an.

Einkommensteuer

Sind Verlustverrechnungsbeschr√§nkungen f√ľr Aktienver√§u√üerungsverluste verfassungswidrig?

Der Bundesfinanzhof hat dem Bundesverfassungsgericht die Frage vorgelegt, ob es mit dem Grundgesetz vereinbar ist, dass Verluste aus der Ver√§u√üerung von Aktien nur mit Gewinnen aus der Ver√§u√üerung von Aktien und nicht mit sonstigen positiven Eink√ľnften aus Kapitalverm√∂gen verrechnet werden d√ľrfen.

Das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 hat die Besteuerung von Kapitalanlagen, die dem steuerlichen Privatverm√∂gen zuzurechnen sind, grundlegend neugestaltet. Durch die Zuordnung von Gewinnen aus der Ver√§u√üerung von Kapitalanlagen (u. a. Aktien) zu den Eink√ľnften aus Kapitalverm√∂gen unterliegen die dabei realisierten Wertver√§nderungen (Gewinne und Verluste) in vollem Umfang und unabh√§ngig von einer Haltefrist der Besteuerung. Da Eink√ľnfte aus Kapitalverm√∂gen grunds√§tzlich abgeltend mit einem speziellen Steuersatz von 25 % besteuert werden, sieht das Einkommensteuergesetz vor, dass Verluste aus Kapitalverm√∂gen nur mit sonstigen positiven Eink√ľnften aus Kapitalverm√∂gen ausgeglichen werden d√ľrfen. Eine zus√§tzliche Verlustverrechnungsbeschr√§nkung gilt f√ľr Verluste aus der Ver√§u√üerung von Aktien. Diese d√ľrfen nicht mit anderen positiven Eink√ľnften aus Kapitalverm√∂gen, sondern nur mit Gewinnen, die aus der Ver√§u√üerung von Aktien entstehen, ausgeglichen werden. Nach der Gesetzesbegr√ľndung sollen dadurch Risiken f√ľr den Staatshaushalt verhindert werden.

Im Streitfall hatte der Kl√§ger aus der Ver√§u√üerung von Aktien ausschlie√ülich Verluste erzielt. Er beantragte, diese Verluste mit seinen sonstigen Eink√ľnften aus Kapitalverm√∂gen, die nicht aus Aktienver√§u√üerungsgewinnen bestanden, zu verrechnen.

Nach Auffassung des Bundesfinanzhofs bewirke das Einkommensteuergesetz eine verfassungswidrige Ungleichbehandlung, weil sie Steuerpflichtige ohne rechtfertigenden Grund unterschiedlich behandelt, je nachdem, ob sie Verluste aus der Ver√§u√üerung von Aktien oder aus der Ver√§u√üerung anderer Kapitalanlagen erzielt haben. Eine Rechtfertigung f√ľr diese nicht folgerichtige Ausgestaltung der Verlustausgleichsregelung f√ľr Aktienver√§u√üerungsverluste ergebe sich weder aus der Gefahr der Entstehung erheblicher Steuermindereinnahmen noch aus dem Gesichtspunkt der Verhinderung missbr√§uchlicher Gestaltungen oder aus anderen au√üerfiskalischen F√∂rderungs- und Lenkungszielen.

Berechnungsparameter f√ľr die Vermeidung einer doppelten Besteuerung von Renten

Der Bundesfinanzhof hat erstmals genaue Berechnungsparameter f√ľr die Vermeidung einer doppelten Besteuerung von Renten festgelegt und zeigte damit drohende doppelte Besteuerung k√ľnftiger Rentnergenerationen auf.

Zwar hatte die Revision des Kl√§gers – der eine seit dem Jahr 2007 laufende Rente mit entsprechend hohem Rentenfreibetrag bezieht – keinen Erfolg. Allerdings ergibt sich auf der Grundlage der Berechnungsvorgaben des Bundesfinanzhofs, dass sp√§tere Rentnerjahrg√§nge von einer doppelten Besteuerung ihrer Renten betroffen sein d√ľrften. Dies folge daraus, dass der f√ľr jeden neuen Rentnerjahrgang geltende Rentenfreibetrag mit jedem Jahr kleiner werde. Er d√ľrfte daher k√ľnftig rechnerisch in vielen F√§llen nicht mehr ausreichen, um die aus versteuertem Einkommen geleisteten Teile der Rentenversicherungsbeitr√§ge zu kompensieren.

Im Streitfall wandte sich der Kläger dagegen, dass das Finanzamt Рentsprechend der gesetzlichen Übergangsregelung Р46 % der ausgezahlten Rente als steuerfrei behandelt und die verbleibenden 54 % der Einkommensteuer unterworfen hatte. Der Kläger hat eine eigene Berechnung vorgelegt, nach der er rechnerisch deutlich mehr als 46 % seiner Rentenversicherungsbeiträge aus seinem bereits versteuerten Einkommen geleistet hat. Nach seiner Auffassung liege deshalb eine verfassungswidrige doppelte Besteuerung von Teilen seiner Rente vor. Das Finanzgericht sah dies anders und wies die Klage ab.

Auch der Bundesfinanzhof folgte der Auffassung des Kl√§gers nicht. Vielmehr halte er an seiner bisherigen, vom Bundesverfassungsgericht best√§tigten Rechtsprechung zur Rentenbesteuerung fest, nach der sowohl der mit dem Alterseink√ľnftegesetz eingeleitete Systemwechsel zur nachgelagerten Besteuerung von Altersbez√ľgen als auch die gesetzlichen √úbergangsregelungen im Grundsatz verfassungskonform seien. Klar sei danach aber auch, dass es im konkreten Einzelfall nicht zu einer doppelten Besteuerung von Renten kommen d√ľrfe. Eine solche doppelte Besteuerung werde vermieden, wenn die Summe der voraussichtlich steuerfrei bleibenden Rentenzufl√ľsse (kurz: steuerfreier Rentenbezug) mindestens ebenso hoch sei wie die Summe der aus dem bereits versteuerten Einkommen aufgebrachten Rentenversicherungsbeitr√§ge. Der Bundesfinanzhof hat konkrete Berechnungsparameter f√ľr die Ermittlung einer etwaigen doppelten Besteuerung von Renten festgelegt. Dabei hat er klargestellt, dass zum steuerfreien Rentenbezug nicht nur die j√§hrlichen Rentenfreibetr√§ge des Rentenbeziehers, sondern auch die eines etwaig l√§nger lebenden Ehegatten aus dessen Hinterbliebenenrente zu rechnen sind.

Bei privaten Renten kann es systembedingt nicht zu doppelter Besteuerung kommen

Der Bundesfinanzhof hat Streitfragen zum Problem der sog. doppelten Rentenbesteuerung gekl√§rt. Er hat nicht nur √ľber die Behandlung von Leistungen aus der freiwilligen H√∂herversicherung zur gesetzlichen Altersrente und Fragen der sog. √Ėffnungsklausel entschieden. Er hat auch klargestellt, dass es bei Renten aus privaten Kapitalanlageprodukten au√üerhalb der Basisversorgung (kurz: privaten Renten), die lediglich mit dem jeweiligen Ertragsanteil besteuert werden, systembedingt keine Doppelbesteuerung geben kann.

Online-Poker: Gewinne können der Einkommen- und Gewerbesteuer unterliegen

Ein Student der Mathematik spielte seit Herbst 2007 im Internet in sog. Einzelspielen Poker in der Spielvariante Texas Hold¬īem. Er setzte zun√§chst Cent-Betr√§ge ein und erzielte bis Ende 2008 einen Gesamtgewinn von ca. 1.000 US-Dollar, bei Spielzeiten von gesch√§tzt f√ľnf bis zehn Stunden im Monat. 2009 spielte er bei vier Online-Portalen Poker. Seine Eins√§tze erh√∂hte er dabei √ľber einstellige zu einem niedrigen zweistelligen US-Dollar-Betrag. Damit erzielte der Student nun insgesamt Gewinne in H√∂he von – umgerechnet – 82.826,05 Euro. In den Folgejahren vervielfachte er seine Gewinne aus den Online-Pokerspielen. Das Finanzamt vertrat die Auffassung, dass aufgrund der Teilnahme an den Online-Pokerspielen steuerpflichtige Eink√ľnfte aus Gewerbebetrieb erzielt w√ľrden und erlie√ü f√ľr 2009 einen entsprechenden Einkommen-steuer- und Gewerbesteuermessbescheid.

Der hiergegen gerichteten Klage hat das Finanzgericht M√ľnster teilweise stattgegeben. Der Student habe mit dem Online-Pokerspielen Eink√ľnfte aus Gewerbebetrieb erzielt, jedoch erst ab Oktober 2009. Insbesondere handele es sich bei der gespielten Variante Texas Hold¬īem um ein Geschicklichkeitsspiel und nicht um ein gewerbliche Eink√ľnfte ausschlie√üendes Gl√ľcksspiel. Er habe sich auch, wie f√ľr die Annahme gewerblicher Eink√ľnfte erforderlich, am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligt, indem er eine Leistungsbeziehung mit seinen Mitspielern am (virtuellen) Pokertisch der Online-Portale unterhalten und nach au√üen hin f√ľr Dritte erkennbar in Erscheinung getreten sei. Gewinnerzielungsabsicht liege auch vor, denn er habe √ľber eine gewisse Dauer hinweg das Online-
Pokerspielen ausgef√ľhrt, dadurch Gewinne erzielt und mit einer durchweg vorteilhaften Gewinnerzielung fortgef√ľhrt. Nach dem Gesamtbild der Verh√§ltnisse, insbesondere der Steigerung der Spielzeit und der H√∂he der Eins√§tze, habe der Student allerdings erst ab Oktober 2009 die Grenze einer reinen Hobbyaus√ľbung hin zu einem ‚Äěberufsm√§√üigen‚Äú Online-Pokerspiel √ľberschritten, weshalb als Eink√ľnfte aus Gewerbebetrieb die in dem Zeitraum Oktober 2009 bis Dezember 2009 erzielten Gewinne anzusetzen seien.

Ertragsteuerliche Erfassung der Zinsen auf Steuernachforderungen und Steuererstattungen

Das Bundesfinanzministerium hat am 16.03.2021 ein Schreiben zur ertragsteuerlichen Erfassung der Zinsen auf Steuernachforderungen und Steuererstattungen ver√∂ffentlicht. Zinsen auf Steuernachforderungen k√∂nnen ab dem Veranlagungszeitraum 1999 nicht mehr steuermindernd geltend gemacht werden. Demgegen√ľber f√ľhren Zinsen auf Steuererstattungen beim Gl√§ubiger zu Eink√ľnften aus Kapitalverm√∂gen oder zu Eink√ľnften anderer Art. Das neue Schreiben sieht nun vor, dass – zur Vermeidung unbilliger H√§rten – auf Antrag Erstattungszinsen durch Verzinsung von Steuernachforderungen und Steuererstattungen nicht in die Steuerbemessungsgrundlage einzubeziehen sind, soweit ihnen nicht abziehbare Nachzahlungszinsen gegen√ľberstehen, die auf ein und demselben Ereignis beruhen. Dabei sind Erstattungszinsen und die diesen gegen√ľberstehenden Nachzahlungszinsen auf den Betrag der jeweils tats√§chlich festgelegten Zinsen begrenzt.

Kapitaleink√ľnfte aus betr√ľgerischem Schneeballsystem sind grunds√§tzlich nicht mehr der Einkommensteuerfestsetzung zugrunde zu legen

Kapitaleink√ľnfte aus vorget√§uschten Gewinnen im Rahmen eines Schneeballsystems unterliegen der Besteuerung, wenn der Anleger √ľber diese, z. B. durch eine Wiederanlage (Novation), verf√ľgt und der Schuldner der Kapitalertr√§ge zu diesem Zeitpunkt leistungsbereit und leistungsf√§hig ist. Dies gilt auch dann, wenn das Schneeballsystem zu einem sp√§teren Zeitpunkt zusammenbricht und der Anleger sein Geld verliert.

Nach Auffassung des Bundesfinanzhofs ist jedoch nicht nur bei der Besteuerung der Scheinrenditen auf die subjektive Sicht des Anlegers abzustellen, sondern auch bei der Frage, ob die Abgeltungswirkung f√ľr die von dem Betreiber des Schneeballsystems einbehaltene Kapitalertragsteuer eintritt. Wenn der Anleger davon ausgehen konnte, dass die Scheinrenditen dem Steuerabzug unterlegen haben, sei die Einkommen-steuer abgegolten. Dies gelte auch dann, wenn die Kapitalertragsteuer von dem Betr√ľger nicht beim Finanzamt angemeldet und abgef√ľhrt wurde und dieser keine Genehmigung nach dem Kreditwesengesetz hatte. Die Scheinrenditen seien dem Anleger in diesem Fall allerdings in voller H√∂he, also auch unter Ber√ľcksichtigung der einbehaltenen Kapitalertragsteuer zugeflossen, da der Einbehalt f√ľr Rechnung des Steuerpflichtigen als Gl√§ubiger der Kapitalertr√§ge erfolgte.

Entlastungsbetrag f√ľr Alleinerziehende und Ehegattensplitting nicht im selben Jahr

Ein Elternpaar, das im Dezember heiratete und erst vom Zeitpunkt der Eheschlie√üung an in einem gemeinsamen Haushalt lebte, machte neben dem Ehegattensplitting in seiner Steuererkl√§rung f√ľr die Monate Januar bis November auch den Entlastungsbetrag f√ľr Alleinerziehende geltend. Das Finanzamt akzeptierte dies jedoch nicht. F√ľr ein Paar, das sich f√ľr eine steuerliche Zusammenveranlagung entschieden habe, gelte diese f√ľr das gesamte Jahr der Eheschlie√üung – also auch f√ľr die Monate vor der Ehe.

Das Finanzgericht M√ľnchen best√§tigte die Auffassung des Finanzamtes. Wenn bisher in eigenen Haushalten lebende Steuerpflichtige mit jeweils einem eigenen Kind erst ab ihrer Heirat im Dezember des Veranlagungszeitraums zusammengezogen seien und sie die Zusammenveranlagung beantragen, stehe ihnen kein Entlastungsbetrag f√ľr Alleinerziehende zu. Die Ehegatten gelten aufgrund der Zusammenveranlagung unabh√§ngig davon, dass die Ehe erst im Dezember geschlossen wurde und die Voraussetzungen f√ľr eine Zusammenveranlagung erstmalig im Dezember erf√ľllt wurden, in keinem Kalendermonat dieses Veranlagungszeitraums als alleinstehend mit der Folge, dass ihnen auch kein erm√§√üigter Entlastungsbetrag f√ľr den Zeitraum von Januar bis November zustehe.

Handwerkerkosten auch bei Auszug steuerlich absetzen

Bei einem Umzug aus beruflichen Gr√ľnden k√∂nnen die Umzugskosten als Werbungskosten in der Einkommensteuererkl√§rung geltend gemacht werden. Die Aufwendungen f√ľr die Renovierung der alten Wohnung k√∂nnen grunds√§tzlich – in bestimmtem Ma√üe – steuerlich abgezogen werden. Was jedoch gilt beispielsweise bei der Entsorgung von Elektroger√§ten? Das Finanzgericht Sachsen hat diesbez√ľglich entschieden, dass keine abziehbaren Werbungskosten vorliegen, wenn aufgrund eines beruflich veranlassten Umzugs Elektroger√§te in der Wohnung fachgerecht gepr√ľft, ausgebaut und entsorgt werden. Jedoch sind diese Kosten teilweise als Handwerkerleistungen zu ber√ľcksichtigen. Dementsprechend k√∂nnen sie mit 20 Prozent von maximal 6.000 Euro, also bis zu 1.200 Euro, unmittelbar von der Einkommensteuerschuld abgezogen werden. Eine Ausnahme gilt nur f√ľr die Entsorgungskosten. Diese bleiben insgesamt unber√ľcksichtigt. Der H√∂chstbetrag von 6.000 Euro gilt insgesamt f√ľr alle Handwerkerleistungen eines Jahres. Wichtig: Entscheidend f√ľr den Abzug ist immer das Jahr der Bezahlung.

Hinweis

Nur die in Rechnung gestellte Arbeitszeit der Handwerker inklusive der Mehrwertsteuer einschlie√ülich der in Rechnung gestellten Maschinen- und Fahrtkosten sowie der Verbrauchsmaterialien (z. B. Schmier-, Reinigungsmittel, Klebeband, Streugut, Folien) sind beg√ľnstigt

Steuerliche Nutzungsdauer f√ľr beruflich angeschaffte Computer, Drucker, Software etc. verk√ľrzt

Wer sich f√ľr die Arbeit auf eigene Kosten Computer, Drucker oder Software etc. anschafft, kann das steuermindernd geltend machen. Ab dem Veranlagungsjahr 2021 k√∂nnen die Kosten sogar vollst√§ndig im Jahr des Kaufes abgesetzt werden.

Die √Ąnderung dieser Steuervorschrift betrifft eine Vielzahl an K√§ufen, von Computerhardware √ľber Peripherieger√§te und Zubeh√∂r bis hin zu Betriebs- und Anwendersoftware. Wird die Technik mindestens zu 90 Prozent beruflich genutzt, ist die vollst√§ndige Abschreibung des Kaufpreises als Werbungskosten erlaubt. Wenn der private Nutzungsanteil mehr betr√§gt, ist zwischen privater und beruflicher Nutzung abzugrenzen. Nur der berufliche Anteil ist gemessen am Kaufpreis absetzbar.

Bisher mussten Computer, Drucker und Software mit einem Anschaffungspreis √ľber 800 Euro netto √ľber den Zeitraum von drei bis f√ľnf Jahren abgeschrieben werden. Der Kaufpreis wurde also auf mehrere Steuerjahre aufgeteilt. Dem liegt die AfA-Tabelle zur Abschreibung f√ľr allgemeine Anlageg√ľter zugrunde. Die Finanzverwaltung hat die steuerlichen Abschreibungsregelungen nun ge√§ndert: Seit dem 1. Januar 2021 wird eine gew√∂hnliche Nutzungsdauer von einem Jahr angenommen. Dies gilt auch r√ľckwirkend f√ľr noch nicht vollst√§ndig abgeschriebene Ger√§te.

Hinweis

Macht die private Nutzung einen nicht unerheb-
lichen Anteil aus, sollte man ggf. mit dem Arbeitgeber die Sachlage besprechen. Die private Nutzung von betrieblichen Personalcomputern ist nämlich steuerfrei und der Arbeitgeber hat stets die Möglichkeit der Sofortabschreibung!

Steuerfolgen bei Vermietung von Ferienwohnungen/-häusern im Ausland

Wird von einer im Inland ans√§ssigen Person eine ausl√§ndische Ferienwohnung vermietet, erhebt zun√§chst der ausl√§ndische Staat neben Grundsteuer auch Einkommensteuer – je nach Finanzverfassung von der Gemeinde, dem Land, Kanton oder der zentralstaatlichen Steuerverwaltung – auf die Mietertr√§ge. Aber auch in Deutschland sind diese Mietertr√§ge als Eink√ľnfte aus Vermietung und Verpachtung zu erkl√§ren. Unter den gleichen Bedingungen, die auch f√ľr inl√§ndische Ferienwohnungen gelten, kann auch eine Einordnung als Eink√ľnfte aus Gewerbebetrieb in Betracht kommen (z. B. bei einer volleingerichteten Wohnung, die von einer Feriendienstorganisation zur st√§ndigen Vermietung bereit gehalten und laufend kurzfristig vermietet wird).

Blitzlicht Juli 2021 001

Werden mit der Ferienwohnung laufend Verluste erzielt, kann auch eine steuerlich unbeachtliche Liebhaberei vorliegen.

Liegen auch in Deutschland steuerpflichtige Eink√ľnfte vor, kann aufgrund eines mit dem ausl√§ndischen Staat abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) je nach der Art des Abkommens eine Befreiung von der deutschen Steuer erfolgen (z. B. USA, Italien) oder eine Anrechnung der im Ausland erhobenen Steuern auf die deutsche Einkommensteuer vorgenommen werden (z. B. Spanien, Schweiz). Wird auf die Eink√ľnfte keine deutsche Steuer erhoben, unterliegen die Vermietungsertr√§ge dem Progressionsvorbehalt,
d. h. der deutsche Steuersatz wird unter Ber√ľcksichtigung der ausl√§ndischen Eink√ľnfte auf die inl√§ndischen Eink√ľnfte angewandt. F√ľr die Ermittlung der Netto-Eink√ľnfte gelten die gleichen Bestimmungen wie f√ľr inl√§ndische Eink√ľnfte, d. h. der Ansatz von Werbungskosten und auch AfA auf die Anschaffungskosten des Geb√§udes und der M√∂bel sind zul√§ssig. Die ausl√§ndische Steuer kann aber h√∂chstens bis zum Betrag der anteilig auf die Eink√ľnfte entfallenden deutschen Steuer angerechnet werden.

Wie auch bei inl√§ndischen Grundst√ľcken hat eine Ver√§u√üerung innerhalb von 10 Jahren nach dem Erwerb die Steuerpflicht des Ver√§u√üerungsgewinns zur Folge, es sei denn, das jeweils anzuwendende DBA schlie√üt dies aus.

Zivilrecht

Zweifel an Zahlungsfähigkeit РImmobilienmakler muss von riskantem Geschäft abraten

Der Makler eines Grundst√ľckseigent√ľmers war mit dem Verkauf einer Immobilie beauftragt worden. Eine Frau meldete sich, besichtigte das Anwesen und f√ľhrte mit dem Eigent√ľmer Verkaufsgespr√§che. Ein Kaufvertrag kam dann aber nicht zustande und das Haus wurde schlie√ülich an einen anderen Interessenten ver√§u√üert. Die entt√§uschte Interessentin war der Meinung, dass der Makler den Abschluss des Vertrages mit ihr zu Unrecht vereitelt habe. Er habe nicht das Recht gehabt, dem Verk√§ufer von dem Gesch√§ft abzuraten. Sie verlangte deshalb Ersatz der Aufwendungen, die ihr im Vertrauen auf den Kauf entstanden seien. Schlie√ülich sei sie sich bereits per Handschlag mit dem Verk√§ufer einig gewesen. Der Makler habe ihr auch mitgeteilt, dass sie schon mit den Vorbereitungen f√ľr den Umzug beginnen k√∂nne. Sie habe deshalb ihr eigenes Anwesen, in dem sie bisher gewohnt habe, bereits ausger√§umt und sp√§ter wieder einr√§umen m√ľssen, wof√ľr Kosten i. H. von knapp 30.000 Euro entstanden seien. Ihre Umzugshelfer h√§tten hierf√ľr insgesamt √ľber 2.100 Stunden ben√∂tigt.

Das Landgericht Frankenthal wies die Klage ab. Es sei die Pflicht eines Maklers gewesen, √ľber die Bonit√§t eines m√∂glichen Vertragspartners aufzukl√§ren und auf entsprechende Zweifel hinzuweisen. Kurz vor dem geplanten Termin beim Notar habe noch keine Finanzierungsbest√§tigung vorgelegen und die Finanzierung der Kaufnebenkosten sei von einer Bank abgelehnt worden. Zudem sei der Schaden aufgrund eigenen Verhaltens der Frau entstanden, weil sie zu fr√ľh mit den Vorbereitungen f√ľr den Umzug begonnen habe. Der Kauf einer Immobilie k√∂nne aus einer Vielzahl von Gr√ľnden bis zum Notartermin immer noch scheitern. Etwaige Kosten f√ľr das Aus- und Einr√§umen des Hauses m√ľsse die Frau selbst tragen.

Impressum

¬© 2021 Alle Rechte, insbesondere das Verlagsrecht, allein beim Herausgeber DATEV eG, 90329 N√ľrnberg (Verlag).
Die Inhalte wurden mit größter Sorgfalt erstellt, erheben keinen Anspruch auf eine vollständige Darstellung und
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