Förderungen für Altersvorsorge und Vermögensaufbau

vor 6 Tagen

Förderungen für Altersvorsorge und Vermögensaufbau

Wenn die Zinsen auf angesparten Beträgen derart niedrig sind wie im Moment, beschleicht viele meiner Mandanten schon manchmal der Gedanke, ob das Geld im Alter wohl ausreichen wird, um sorgenfrei und gut leben zu können. Deshalb rate ich, sich frühzeitig Gedanken über die Altersvorsorge und den Vermögensaufbau zu machen. Da es steuerliche Förderungen gibt, lohnt es, noch vor dem Jahresende aktiv zu werden.

  • Die Altersvorsorgeaufwendungen bleiben insbesondere bei vielen Selbstständigen oft deutlich unterhalb des steuerlichen Höchstbetrags (der individuell unterschiedlich ist und vom Steuerberater berechnet werden kann). Es macht unter steuerlichen Gesichtspunkten oft Sinn, neben den bereits geleisteten Beiträgen zu berufsständischen Versorgungswerken oder zu Basisrentenverträgen noch eine Einmalzahlung zu derartigen Versicherungen zu leisten, um diese Art von Sonderausgaben voll auszuschöpfen.
  • Bei der Entscheidung über den möglichen Abschluss weiterer Versicherungsverträge empfiehlt es sich, neben der steuerlichen Auswirkung im Veranlagungszeitraum der Einzahlung auch immer die steuerliche Auswirkung im Veranlagungszeitraum der Auszahlung zu berücksichtigen. Neben dem steuerlichen Aspekt ist es sinnvoll, zudem die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Notwendigkeit des Abschlusses zu prüfen, um etwa eine Überversorgung zu vermeiden.
  • Jeder Mandantenfall ist individuell. Oft kommt es auf Details an. Wenn Sie sicher sein möchten, wie und in welcher Höhe die für Sie richtige Investition in Ihre Altersvorsorge und Ihren Vermögensaufbau aussehen kann, wenden Sie sich an den Steuerberater/die Steuerberaterin Ihres Vertrauens, die Ihre ganz persönlichen Lebensumstände und die bestehenden Versicherungen kennen. Gern helfen auch wir Ihnen dazu weiter!

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Eigene Praxis? Anstellung? Unikarriere? – Einladung zum ladies dental talk career

vor 1 Monat

Sie stehen vor der Entscheidung was nach dem Zahnmedizinstudium weitergehen soll? Sie wollen langfristig Planen oder einfach nur mal hören, welche Möglichkeiten es überhaupt für Sie gibt und worauf Sie achten sollten? Dann kommen Sie doch vorbei zum ladiesdentaltalk career am 06.11.2017 in Hannover. Das besondere Highlight der Veranstaltung wird der Austausch mit der erfahrene Zahnärztin Inga Neumann sein. Sie berichtet von ihrem Weg und ihren Erfahrungen nach dem Studium. Wie sie den Schritt in die Selbstständigkeit gemeistert hat und wo sie Unterstützung fand.

Weitere Informationen und wie Sie sich anmelden können erfahren Sie hier:  Einladung ladies dental talk career

Hier können Sie ein Netzwerk fürs Leben aufbauen!

Ich freue mich darauf, Sie zu sehen!

Dipl. Ök. Ingrid Kruse-Lippert Steuerberaterin

 

Schäden durch Unwetter – der Fiskus unterstützt bei Sturm, Hagel, Hochwasser, Erdbeben.

vor 2 Monaten

Stets trifft es einen unvorbereitet: ein überfluteter Keller, ein abgedecktes Dach, eingestürzte Gebäudeteile: Schäden durch Unwetter können innerhalb kürzester Zeit immense Kosten verursachen. Die Gewitter gegen Ende des Sommers und vor kurzem das Sturmtief Xavier sind uns noch in Erinnerung.
Je nach Schaden ziehen sich die Aufräumarbeiten und Reparaturen oft über Wochen, Monate oder sogar Jahre hin. Ein kleiner Lichtblick: Der Staat hilft finanziell und entlastet Geschädigte steuerlich. Sie können die Kosten, die Ihnen durch das Unwetter entstanden sind, steuermindernd geltend machen.

Der Katastrophenerlass sichert Steuererleichterungen

Betrifft ein Unwetter eine oder mehrere Regionen, hält es die Finanzverwaltung für angebracht, den Geschädigten durch steuerliche Maßnahmen zur Vermeidung unbilliger Härten entgegen zu kommen. Betroffene können nach einer Katastrophe mit Breitenwirkung besondere Steuererleichterungen erwarten.

Einzelfallentscheidungen durch die Finanzverwaltung

Welche Erleichterungen die Finanzverwaltung einräumt, entscheidet sie von Fall zu Fall. Betroffene konnten in der Vergangenheit z. B. die Kosten für die Beseitigung der Unwetterschäden wie Aufräum- und Reparaturarbeiten in ihrer Steuererklärung steuermindernd geltend machen. Das Finanzamt erkannte auch die Ausgaben für die Wiederbeschaffung von Möbeln, Haushaltsgegenständen sowie Kleidung an.

Schäden am selbst genutzten Haus

Auch ein kurzes, heftiges Unwetter kann enorme Schäden verursachen. Orkan, Blitz und Hagelkörner, die mit voller Wucht auf das selbst bewohnte Haus prasseln verursachen innerhalb kürzester Zeit enorme Schäden wie herabgestürzte Dachziegel, verwüstete Rollläden und demolierte Fensterscheiben. Glücklich ist, wer in solchen Fällen etwa eine Gebäude- oder Hausratversicherung mit Elementarschadenversicherung abgeschlossen hat. Springt diese nicht ein, ist es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, die entstandenen Kosten von der Steuer abzusetzen.

Existenziell wichtige Bereiche sind betroffen

Die Reparaturkosten solcher Schäden können Sie nur dann in Ihrer Steuererklärung steuermindernd geltend machen , wenn die Schäden einen existenziellen Bereich betreffen – also das Haus. Trifft es Garage oder Terrasse, gibt es keine Steuererleichterungen.
Dazu sind drei weitere Voraussetzungen nötig:

  1. Sie dürfen den Schaden nicht selbst verursacht haben. Sobald eigenes Verschulden vorliegt, entfällt die Möglichkeit der Steuererleichterung.
  2. Sie dürfen keine Ersatzansprüche gegenüber Dritten haben. Hat eine dritte Person den Schaden verursacht, müssen Sie das Geld zuerst von ihr fordern.
  3. Ist der Schaden über eine übliche Versicherung wie die Gebäude- oder Hausratsversicherung abgedeckt, entfällt die Steuererleichterung. Als nicht üblich gilt eine Elementarversicherung gegen Überschwemmung oder Erdbeben. Deckt die Elementarversicherung den Schaden ab, gibt es nicht noch zusätzlich Steuererleichterungen.
Unser Tipp zur Berücksichtigung als außergewöhnliche Belastung

Damit Sie die Reparaturen steuermindernd gelten machen können, sollten Sie sie unbedingt innerhalb von drei Jahren nach dem Schaden ausführen lassen. Schaffen Sie das nicht, können Sie die Kosten leider nicht steuermindernd ansetzen.
Erfüllen Sie alle aufgeführten Voraussetzungen, sind die angefallenen, nicht von einer Versicherung oder einem Dritten erstatteten, Kosten zur Schadensbeseitigung oder Wiederherstellung eines beschädigten Gebäudeteils als außergewöhnliche Belastung in angemessener Höhe von der Steuer absetzbar.

Ansonsten können Sie natürlich auch die Kosten für den Arbeitslohn in Ihren Handwerkerleistungen wie bisher auch steuermindernd geltend machen, aber eben nur den Arbeitslohn. Das ist innerhalb bestimmter Höchstbeträge möglich.
Sehen Sie dazu auch in unsere Checkliste „Vorbereitung der Unterlagen für die ESt-Erklärung“ im Download-Bereich.
Sind Sie unsicher, was Sie genau beachten müssen, rufen Sie uns gern an und/oder vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch.

Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen im Haushalt des Steuerpflichtigen

vor 2 Monaten

Es kommt ja immer wieder einmal vor, dass man nicht alle handwerklichen Leistungen im Handwerk selbst machen kann. In diesen Fällen suchen Sie sich einen Handwerker. Im Hinterkopf hat man, da war doch etwas mit Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen, so dass man sich darauf freut, Vater Staat an den anfallenden Handwerkerrechnungen finanziell zu beteiligen.

In welchen Fällen ist nun eine Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen konkret zu erreichen?

 

Voraussetzung für die Steuerermäßigung ist, dass die Handwerkerleistung im inländischen Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht wird. Das hört sich einfach an, ist aber leider nicht ganz so einfach, da Auslegungsspielraum besteht. Konkret bedeutet dies nämlich, dass die Handwerkerleistung in einem unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt werden muss. Dies bedeutet, dass beispielsweise die Aufarbeitung eines Schrankes im Normalfall nicht steuerbegünstigt ist. Meistens wird der Schrank von einem Schreiner abgeholt, um diesen in seiner Werkstatt zu restaurieren und um ihn erst danach wieder zum Haushalt zurückzubringen.

 

Wird dagegen eine Haustür in einer Schreinerwerkstatt hergestellt oder restauriert und danach im Haushalt montiert, so stellt dies nach einer Entscheidung des Finanzgerichts München aus 2015 eine insgesamt begünstigte Renovierungsmaßnahme dar. Entscheidend ist aus der Sicht des Finanzgerichts, dass zumindest die Montage im Haushalt erfolgt.

 

Die Handwerkerleistung, die beispielsweise beim Beziehen von Polstermöbeln entsteht, ist dagegen lt. Entscheidung des Finanzgerichts Rheinland Pfalz aus 2016 nicht steuerlich begünstigt. Üblicherweise werden nämlich die Polstermöbel aus dem Haushalt abgeholt und zum Schluss wieder zurück zum Haushalt transportiert und aufgestellt. Das Finanzgericht Rheinland Pfalz hat entschieden, dass die Transportleistung lediglich eine untergeordnete Nebenleistung ist.

 

Unser Tipp:

Übertragen Sie also einem Handwerker eine Leistung, die nicht komplett in ihrem Haushalt sondern in der Werkstatt des Handwerkers durchgeführt wird, achten sie darauf, dass die Leistung in der Werkstatt lediglich eine untergeordnete Nebenleistung ist und dies auch in der Rechnung für die Handwerkerleistung klar zum Ausdruck gebracht wird.

Steuerminderung durch häusliches Arbeitszimmer

vor 3 Monaten

Nach bisheriger Rechtsprechung war der Höchstbetrag zum Abzug von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer in Höhe von 1.250 EUR jährlich objektbezogen zu betrachten, sodass bei Nutzung eines Arbeitszimmers durch mehrere Personen jedem Nutzer grundsätzlich der anteilige Höchstbetrag (bei zwei Personen 625 EUR pro Person) zustehen würde. Mit seiner Entscheidung vom 15.12.2016 hält der BFH an der bisherigen Rechtsauffassung nicht mehr fest.

Absetzbarer Höchstbetrag für ein häusliches Arbeitszimmer ist personenbezogen zu betrachten

Der gesetzlich geregelte Höchstbetrag in Höhe von 1.250 EUR ist nach diesem Urteil personenbezogen zu verstehen. Jeder Steuerpflichtige, der das häusliche Arbeitszimmer nutzt, kann danach diesen Höchstbetrag für sich in Anspruch nehmen, sofern er die Voraussetzungen des § 4  Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG in seiner Person erfüllt.

Unser Tipp:

Wird das häusliche Arbeitszimmer von mehreren Personen genutzt, kann nach der neuen Rechtsprechung bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen jeder seine anteilig getragenen Kosten bis zu einer Höhe von 1.250 EUR als Werbungskosten geltend machen.

Nutzen Sie mit mehreren steuerpflichtigen Personen gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer und sind sich nicht darüber im Klaren, welche Möglichkeiten bei Ihnen konkret bestehen, sprechen Sie uns gern an.

Weitere Infos zum häuslichen Arbeitszimmer finden Sie auch in unserem Blogbeitrag vom 28. Juni 2017.

Starke Frauen, starke Branche! Einladung 27. September 2017

vor 3 Monaten

Haben Sie sich schon immer gewünscht, sich mit Kolleginnen in angenehmem Ambiente über Ihre Praxen und was Sie in dem Zusammenhang bewegt, auszutauschen? Dann kommen Sie doch am 27. September zum 5. ladiesdentaltalk zu einem Fortbildungsformat der ganz besonderen Art in Hannover in die „Funky Kitchen“ am EXPOPark. Sie haben die Gelegenheit, im Wohlfühlambiente nette Kolleginnen kennenzulernen und sich mit Ihnen auszutauschen, neue Blickwinkel zu erkennen oder den Blick für Vorhandenes zu schärfen, Informationen zu allgemeinen Themen rund um die Praxis quasi nebenbei zu erhalten oder gezielt Fragen zu stellen und im Gespräch mit Expertinnen verschiedener Fachgebiete zu vertiefen. Und Fortbildungspunkte gibt es auch!

Ich freue mich darauf, Sie zu sehen !

Dipl. Ök. Ingrid Kruse-Lippert Steuerberaterin

Weitere Informationen und wie Sie sich anmelden können erfahren Sie hier.

 

 

Einkommensteuerliche Zusammenveranlagung

vor 3 Monaten
Einkommensteuerliche Zusammenveranlagung trotz langjähriger räumlicher Trennung der Ehegatten

Man könnte den Eindruck haben, dass in den Finanzgerichten Menschen sitzen, die sich mit den Entwicklungen der heutigen Zeit auch unter steuerlichen Gesichtspunkten auseinandersetzen! In einem Urteil vom FG Münster vom 22.02.2017 wurde nämlich entschieden, dass die Voraussetzungen für eine Zusammenveranlagung nach Einkommensteuerrecht trotz jahrelanger räumlicher Trennung der Ehegatten erfüllt sein können.

Bisher war das dauerhafte Zusammenleben der Ehepartner Voraussetzung für die steuerliche Zusammenveranlagung

Das ist insofern positiv, als man bisher davon ausgehen musste, dass eine räumliche Trennung von Ehegatten über einen längeren Zeitraum automatisch zur Versagung der steuerlichen Voraussetzungen für eine Zusammenveranlagung geführt hat. Aus der früheren Rechtsprechung des BFH hat sich ergeben, dass Ehegatten getrennt im Sinne des Steuerrechts leben, wenn die zum Wesen der Ehe gehörende Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft nach dem Gesamtbild der Verhältnisse nicht mehr besteht. Der BFH versteht unter Lebensgemeinschaft bisher die räumliche, persönliche und geistige Gemeinschaft der Ehegatten und unter Wirtschaftsgemeinschaft die gemeinsame Erledigung der die Ehegatten gemeinsam berührenden wirtschaftlichen Fragen ihres Zusammenlebens, z. B. die gemeinsame Entscheidung über die Verwendung des Familieneinkommens.

Das Urteil des FG Münster trägt modernen Beziehungsmodellen Rechnung

In der Entscheidung des FG Münster wird explizit erläutert, dass die eheliche Lebensgemeinschaft nach heutiger Zeit wenigstens das Fortbestehen einer Wirtschaftsgemeinschaft erfordert. Gleichzeitig muss das Fortführen der Ehe angestrebt sein.

Dies bedeutet, dass in der Gesamtbeurteilung ein nicht-dauerndes Getrenntleben anzunehmen ist, wenn die Ehegatten zwar für eine nicht absehbare Zeit räumlich voneinander getrennt leben, aber dennoch die eheliche Wirtschaftsgemeinschaft dadurch aufrecht erhalten, dass sie die sie berührenden wirtschaftlichen Fragen gemeinsam erledigen, gemeinsam über die Verwendung des Familieneinkommens entscheiden und trotz der räumlichen Trennung weiterhin gemeinsame regelmäßige Treffen und Unternehmungen mit der Familie durchführen. Im Urteilsfall hatten die Eheleute vorgetragen, dass gerade weil sich die Eheleute räumlich getrennt haben, die Ehe intakt geblieben sei.

Das Finanzamt hatte sich mit dem Vortrag der Eheleute nicht positiv auseinander setzen können. Diese hatten vorgetragen, dass sich die Formen des familiären Zusammenlebens seit den 60er Jahren stark verändert und weiterentwickelt haben. Die in heutiger Zeit vorhandenen Living-apart-together-Beziehungen wollte das Finanzamt nicht als Voraussetzung für eine einkommensteuerliche Zusammenveranlagung im hier vorliegenden Fall anerkennen und wies darauf hin, dass selbst tägliche Telefonate, gelegentliche gemeinsame Abendessen, gegenseitige Hilfe im Haushalt sowie gemeinsame Unternehmungen zwar auf ein gutes freundschaftliches Verhältnis beider Partner hindeuten würden, aber nicht für das Bestehen einer ehelichen Lebensgemeinschaft im steuerlichen Sinn ausreichten.

Unser Tipp:

Nach diesem Urteil des FG Münster ist es nicht länger hinzunehmen, wenn das Finanzamt aufgrund räumlicher Trennung von Ehegatten die Zusammenveranlagung verwehrt, obwohl die Eheleute eine fortbestehende Wirtschaftsgemeinschaft pflegen und darüber hinaus noch eine persönliche und geistige Gemeinschaft besteht. Der Wille, die Ehe fortzuführen, muss nach außen erkennbar sein. In diesem Fall sollte das Versagen des Finanzamts auf Anerkennung der Zusammenveranlagung nicht widerspruchslos hingenommen werden.

 

Steuerliche Behandlung von Bonuszahlungen

vor 4 Monaten

Wir haben bereits vor einigen Monaten über die steuerliche Behandlung von Bonuszahlungen der gesetzlichen Krankenkassen berichtet und aufgrund eines BFH-Urteils vom Juni 2016 empfohlen, sehr wachsam zu sein. Teilweise bestand nach dem Urteil große Verunsicherung, sodass es am 06.12.2016 ein BMF-Schreiben zu diesem Thema gegeben hat. Darin wird Folgendes klargestellt:

Eine sonderausgabenneutrale Bonuszahlung der Krankenkasse im Sinne dieses von uns bereits erwähnten BFH-Urteils liegt nur in den Fällen vor, bei denen nach den konkreten Bonusmodell-Bestimmungen durch den Versicherten vorab Kosten für zusätzliche Gesundheitsmaßnahmen aufgewendet werden müssen, die anschließend aufgrund eines Kostennachweises erstattet werden.

Das heißt, dass eine Änderung des entsprechenden Steuerbescheides nur dann in Betracht kommt, wenn Bedingung für die Bonuszahlungen war, dass der Versicherung eine Rechnung vorgelegt wurde bzw. die tatsächlichen Kosten nachgewiesen wurden.

Von dem BFH-Urteil aus Juni 2016 nicht erfasst sind dagegen Programme, die lediglich die Durchführung bestimmter Gesundheitsmaßnahmen oder ein bestimmtes Handeln der Versicherten als Voraussetzung für Bonuszahlungen vorsehen. Dies gilt selbst dann, wenn diese Maßnahmen mit Aufwand beim Versicherten verbunden sind, wie zum Beispiel der Besuch eines Fitnessstudios oder Gesundheitskurses sowie sonstiger Präventionsmaßnahmen.

Da in den bisher übermittelten elektronischen Daten der Kranken- und Pflegeversicherungen keine Differenzierung zwischen den einzelnen Arten der Beitragsrückerstattungen erfolgt ist, wurden auch sonderausgabenneutrale Bonuszahlungen zusammen mit Beitragsrückerstattungen anderer Art übermittelt. Laut BMF-Schreiben von Dezember 2016 haben sich die obersten Finanzbehörden der Länder sowie die Krankenversicherungen dahingehend abgestimmt, dass in den von ihnen ermittelten einschlägigen Fällen neue Papierbescheinigungen für die Jahre 2010 bis 2016 mit entsprechenden Hinweisen für die Betroffenen ausgestellt werden sollen, anstatt die unzutreffend  übermittelten Datensätze elektronisch zu korrigieren. Die neue Papierbescheinigung soll die bisher übermittelte Höhe der Erstattung und die neu anzusetzende Höhe der zutreffenden Beitragsrückerstattung ausweisen. Dies ist deshalb erforderlich, da, wie bereits dargestellt, die von den Krankenkassen bisher ausgestellten Bescheinigungen für eine Änderung seitens des Finanzamtes nicht ausreichen.

Beispielhaft kann an dieser Stelle bereits gesagt werden, dass folgende Versicherungen keine sonderausgabenneutralen Bonuszahlungen an ihre Versicherten vornehmen:

Knappschaft Bahn-See

Techniker Krankenkasse (Barprämien aus dem TK-Bonusprogramm und Prämien aus TK-Wahltarifen)

IKK Classic

Barmer (Bonusprogramm B100 – Erfolgsbonus für gesundheitsbewusstes Verhalten)

BKK Dürkopp-Adler im Rahmen des Bonusprogramms Maxi-Bonus

Sollten Sie als Versicherter seitens der genannten Krankenkassen eine Bonuszahlung erhalten haben, kommt eine Änderung eines Steuerbescheides daher nicht in Betracht.

Ab 2017 erfolgt die Meldung der Datensätze seitens der Krankenkassen so, dass die neue Rechtslage für Beitragsrückerstattungen unter Berücksichtigung der BFH-Rechtsprechung erfolgt.

Verringerung der zumutbaren Eigenbelastung

vor 4 Monaten

Mit dem BFH-Urteil vom 19.01.2017 hat ein Steuerpflichtiger zugunsten aller Steuerpflichtigen erstritten, dass sich die Berechnung der sogenannten zumutbaren Eigenbelastung nach § 33 Abs. 3 Satz 1 EStG deutlich zugunsten der Steuerpflichtigen verschiebt. Damit kann sich eine deutliche steuerliche Entlastung ergeben.

Aus dem Urteil ergibt sich nämlich, dass nur der Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte, der jeweils den im Gesetz genannten Grenzbetrag übersteigt, mit dem jeweils höheren Prozentsatz belastet wird. Dies bedeutet, dass entgegen der Verwaltungsauffassung laut BFH für die Ermittlung der zumutbaren Belastung kein starrer Prozentsatz anzuwenden ist, sondern die Berechnung stufenweise erfolgen würde.

Eigentlich soll die geänderte Berechnungsweise umgehend schon im Rahmen der automatisierten Erstellung der Einkommensteuerbescheide berücksichtigt werden.

Unser Tipp:

Wir empfehlen, Ihnen in jüngerer Zeit zugegangene Steuerbescheide dahingehend zu überprüfen, ob diese geänderte Berechnungsweise der zumutbaren Eigenbelastung im Einzelfall bereits berücksichtigt wurde. Sollte dies nicht der Fall sein, ist aus unserer Sicht das Einlegen eines Einspruchs empfehlenswert.

Einstufung einer GbR als freiberuflich unterliegt engen Grenzen

vor 4 Monaten

Der BFH stellt hohe Ansprüche, damit eine GbR als freiberuflich eingestuft wird. Im konkreten Fall ging es um ein Übersetzungsbüro, das als GbR auf dem Gebiet der technischen Übersetzungen tätig war. Das Unternehmen erstellte für Kunden technische Handbücher, Bedienungsanleitungen und ähnliche Dokumentationen, indem diese aus oder in andere Sprachen übersetzt wurden. Dabei erfolgten die Übersetzungen auch in Sprachen, die die Gesellschafter selbst nicht beherrschten, sondern für die sie Fremdübersetzer beauftragen mussten. Das Finanzamt stufte die Tätigkeit der GbR als gewerbliche Tätigkeit ein und erließ daraus folgend Gewerbesteuermessbescheide.

Nur wenn sie alle Leistungen selbst erbringen kann, ist eine GbR als freiberuflich einzustufen

Die Klage der GbR wurde abgewiesen, denn der BFH bestätigte die Entscheidung des Finanzamts (BFH-Urteil vom 21.02.2017, Aktenzeichen VIII R 45/13). Dies erfolgte unter Hinweis auf die eigenen Kenntnisse der GbR-Gesellschafter. Nur wenn die Gesellschafter aufgrund eigener Sprachkenntnisse in der Lage gewesen wären, die Übersetzungsleistung selbst vorzunehmen oder fachlich entsprechend ausgebildete Mitarbeiter dahingehend anzuleiten, wäre die Tätigkeit der GbR als freiberuflich einzustufen gewesen.

Das Urteil könnte auch andere Freiberufler treffen

Die Gefahr besteht, dass dieses Urteil auch auf andere Berufsgruppen übertragen wird. Beispielsweise könnten Architektur- oder Ingenieurbüros, die Leistungen als Generalplaner erbringen, durchaus Gefahr laufen, ebenfalls als gewerbliche Unternehmen eingestuft zu werden. Dies kann dann der Fall sein, wenn das Architekturbüro selbst nicht alle Leistungen als Generalplaner im eigenen Büro erbringen kann und aus diesem Grund Leistungen größeren Umfangs an Subunternehmer überträgt, die beispielsweise die technische Gebäudeausrüstung oder die Tragwerksplanung vornehmen.

Unser Tipp:

Im Zweifelsfall sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie nur die im eigenen Büro fachlich möglichen Auftragsbestandteile auch selbst annehmen und den Auftrag gegebenenfalls in mehrere Bestandteile aufsplitten.

Wenn Sie Fragen zu dieser Entscheidung haben, sprechen Sie uns gern an.