Investition in die Praxis

Der Zinssatz entscheidet nicht allein über die Sinnhaftigkeit einer Investition in die Praxis

Sicherlich haben Sie als Praxisinhaber sich in den vergangenen Monaten des Öfteren gefragt, ob es nicht unter dem Einfluss der niedrigen Zinsen sinnvoll ist, verstärkt in Ihre Praxis zu investieren. Dazu lässt sich ganz klar festhalten, dass die Vornahme einer Investition in die Praxis nicht allein durch den Zinssatz entschieden werden sollte. Vielmehr sind eine Menge anderer Aspekte zu berücksichtigen:

Bei einer Praxisgründung sind beispielsweise der Standort oder das Praxiskonzept viel entscheidender für den Praxiserfolg als der Zinssatz für evtl. Darlehen zur Finanzierung der erforderlichen Investitionen.

Ist dagegen absehbar, dass für den Betrieb der Praxis zwingend erforderliche Geräte in absehbarer Zeit ersetzt werden müssen, weil die Reparaturanfälligkeit und damit auch die Reparaturkosten steigen, ist es unter Umständen sinnvoll, eine Ersatzinvestition unter Berücksichtigung des günstigen Zinsniveaus schon vorzuziehen und mit der Investition in eine neue Behandlungseinheit, digitales Röntgen oder eine größere Renovierung nicht mehr länger zu warten.

Mit richtigen Investitionen Liquidität und Praxiserfolg sichern

Als allererstes sind einige Grundüberlegungen anzustellen. Vielfach sind es nämlich immer dieselben Gründe, die zum finanziellen Scheitern einer Investition führen:

  • Finanzierungsmängel/private Verschuldung,
  • Informationsdefizite/Standortnachteile,
  • familiäre Probleme,
  • äußere Einflüsse/Konkurrenzsituation.

Grundsätzlich sollte die Finanzierungsdauer für eine Investition in die Praxis der wirtschaftlichen Nutzungsdauer entsprechen. Dies bedeutet, kurzlebige Wirtschaftsgüter sollten mit kurzfristigen Krediten finanziert werden, langlebige Wirtschaftsgüter mit einer langfristigen Finanzierung erfolgen. Riskant ist es insbesondere, kurzfristige Finanzierungen langlebiger Wirtschaftsgüter vorzunehmen, da dann die hohen Tilgungen die Liquidität in der Praxis stark einengen.

Ausnahmen erläutern wir Ihnen gern persönlich: Womöglich ist es aus steuerlichen Gründen sinnvoll, die Finanzierung für Praxisinvestitionen möglichst langfristig vorzunehmen, um damit Spielräume für private Liquidität wie beispielsweise Kauf oder Bau einer privaten Immobilie zu haben.

Als Nächstes sollte der Investitionsbedarf konkret ermittelt werden. Die Frage, ob die Investition wirklich notwendig ist, sollte man sich bei jeder Investition erneut stellen. Der Grund für die Investition (Ersatz oder Neuanschaffung) spielt dabei ebenso eine Rolle wie der Betrag der Investition an sich. Oftmals verursacht die Anschaffung eines Gerätes auch noch beträchtliche Nebenkosten, damit dieses überhaupt in einen gebrauchsfähigen Zustand versetzt wird oder die Mitarbeiter und Sie selbst das Gerät bedienen können. Auch ist es wichtig, alle geplanten Anschaffungen zusammen zu tragen, sich in dem Zusammenhang über Gewohnheiten klar zu werden sowie Besitzstände auf den Prüfstand zu stellen. Was gestern noch sinnvoll war, ist heute vielleicht schon überholt. Ebenfalls im Zusammenhang mit der Ermittlung des Investitionsbedarfs zu berücksichtigen sind evtl. Vorfinanzierungskosten, die bereits erwähnten Schulungskosten für das Personal sowie ein evtl. verzögerter Zahlungsfluss bei den daraus resultierenden Einnahmen. Steht all dies fest, ist zumindest eine stark vereinfachte Wirtschaftlichkeitsberechnung der Investition durchzuführen.

Beispielhaft sei dies im Folgenden dargestellt:
Ertrags-/Kostenposition Berechnung
Erlöse pro Behandlung € 80
Anschaffungskosten

Zins, AfA

€ 5.000 pro Jahr
Ärztliche Kosten

Zeitaufwand

€ 5.000 pro Jahr
Personalkosten

Gehalt, Nebenkosten, Fortbildung

€ 30.000 pro Jahr
Weitere Kosten

Bspw. anteilige Raumkosten mangels alternativer Nutzung

Materialverbrauch

€ 8.000 pro Jahr
Summe aller Kosten € 48.000 pro Jahr
Zielsetzung 600 Behandlungen pro Jahr

basierend auf € 80 pro Behandlung

Wenn anhand der Wirtschaftlichkeitsberechnung sich wie im vorliegenden Fall ergeben hat, dass beispielsweise 600 Behandlungen pro Jahr basierend auf einem Preis von 80,00 € pro Behandlung erforderlich sind, um allein die Kosten zu decken, sollten Sie sich als Praxisinhaber selbstkritisch fragen, ob Sie diese Zahl bisher bereits erreicht haben. Falls das nicht der Fall ist, beginnt die Überlegung, was der Grund dafür sein könnte und ob es realistisch ist, durch eine Umstellung zukünftig diese Behandlungszahl zur Kostendeckung zu erreichen.

An diesem kleinen Beispiel ist zu erkennen, wie wichtig derartig grundsätzliche Überlegungen für ein gutes Investment und eine erfolgreiche Finanzierung sind. Wenn alles gut durchdacht ist, können eine Praxisgründung oder -erweiterung neben einem privaten Bauvorhaben durchaus erfolgreich durchgeführt werden.

Nicht nur finanzielle Voraussetzungen sind für eine Investition und erfolgreiche Kreditverhandlungen ausschlaggebend

Finanzielle Kennzahlen sind nur die eine Seite der Medaille. Im persönlichen Gespräch stehen Sie als Praxisinhaber bei der Kreditentscheidung im Vordergrund. Wenn Ihr Bankberater das Gefühl hat, das Sie als Inhaber eine Investition in die Praxis erfolgreich stemmen können, wird sich im Zuge der Finanzierung beim Beraterteam Vertrauen für die von Ihnen geplante Investition einstellen und zu einer wirtschaftlich vertretbaren Praxisfinanzierung führen.

Unser Tipp:

Für den Erfolg beim Bankgespräch ist eine gute Vorbereitung erforderlich. Die Entscheidung der Bank beruht auf einer Vielzahl von Faktoren. Aus diesem Grund sollten sich Praxisinhaber ganz gezielt auf das Bankgespräch vorbereiten und sich bereits im Vorfeld mit ihrem Steuerberater zusammensetzen. Ziel ist, dass die Anfrage nach einer Finanzierung nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Grundlagen für die Entscheidung einer Bank, die Finanzierung einer geplanten Investition vorzunehmen, sind u. a.:

  • persönlicher Eindruck,
  • tatsächliche Investition,
  • Liquidität des Unternehmens,
  • Rating und Sicherheiten.

Wenn Sie also einen Praxiskauf oder eine Investition in die Praxis planen, für das Sie Kapital benötigen, sprechen Sie uns gerne an, damit Ihnen der Erfolg des Bankgespräches sicher ist.

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