Häusliches Arbeitszimmer für Selbständige

Häusliches Arbeitszimmer für Selbständige

Viele Selbständige haben ihr Büro nicht in angemieteten Räumen, sondern nutzen dafür ein häusliches Arbeitszimmer. In einem solchen Fall fragt man sich natürlich, ob es nicht Sinn macht, die mit diesem häuslichen Arbeitszimmer im Zusammenhang stehenden Kosten steuermindernd geltend zu machen. Der Gedanke ist nachvollziehbar. Unsere Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass der meist nur begrenzte Betriebsausgabenabzug mit € 1.250,00 oft nur eine kurzfristige Steuerersparnis bringt. Womöglich lauern im Fall der Betriebsaufgabe oder beim Verkauf des Gebäudes insofern Gefahren, dass zwischen der erstmaligen Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers und dem Ende der Nutzung eine nicht unbeträchtliche Wertsteigerung des gesamten Gebäudes und damit natürlich auch anteilig des Arbeitszimmers eingetreten ist. In diesem Fall entsteht eine sogenannte stille Reserve, die zu versteuern ist.

Der Verkauf des privaten- selbstgenutzten –  nicht als Arbeitszimmer genutzten Gebäudeteils ist natürlich nicht der Einkommensteuer zu unterwerfen. Die Veräußerung des häuslichen Arbeitszimmers ist aber grundsätzlich steuerlich relevant. Wenn das häusliche Arbeitszimmer vorher dem Betriebsvermögen zugeordnet wurde, unterliegt der Einkommensteuer mindestens die Wertsteigerung zwischen dem Beginn der Nutzung als häuslichem Arbeitszimmer und deren Ende. Eventuell werden aber auch sämtliche bis dahin geltend gemachten Abschreibungen damit quasi zunichte gemacht. Das führt defacto dazu, dass auf einen Schlag sämtliche Steuervorteile des Zeitraums der betrieblichen Nutzung quasi zurückgezahlt werden. Eine echte Steuerfalle also, an die die meisten Selbständigen zunächst einmal nicht denken. Denn bei der Veräußerung der Entnahme erfolgt die Gegenüberstellung des anteiligen Verkaufserlöses oder Verkehrswertes mit dem sogenannten Restbuchwert, der durch die – womöglich nur fiktive – Abschreibung entsteht. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass womöglich ein Teil der Abschreibungen sich auf Grund der Abzugsbeschränkung auf € 1.250,00 gar nicht ausgewirkt hat.

Die Abzugsbeschränkung greift immer dann, wenn das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellt. Das Finanzamt findet in der Regel eine Reihe von Argumenten, die diese Abzugsbeschränkung zur Folge haben.

Wie können Sie die Steuerfalle vermeiden? Hier gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  • Mit Hilfe der sogenannten Bagatellklausel können Sie versuchen, das Arbeitszimmer nicht als Betriebsvermögen ausweisen zu müssen. §8 EStDV regelt, dass eigenbetrieblich genutzte Grundstücksteile nicht als Betriebsvermögen behandelt werden müssen, wenn ihr Wert nicht mehr als 1/5 des gemeinen Werts des gesamten Grundstücks und nicht mehr als € 20.500,00 beträgt. Das Finanzamt spricht dann von Grundstücksteilen von untergeordnetem Wert. Beachtenswert ist dabei, dass die € 20.500,00 sowohl den anteiligen Gebäudewert als auch den anteiligen Grund- und Bodenwert beinhalten.

Außerdem muss man den Grundstückswert beobachten, denn durch stetig steigende Grundstücks- und Immobilienpreise besteht die Gefahr, dass der anteilige Grundstückswert für das Arbeitszimmer irgendwann im Lauf der Jahre doch diese Wertgrenze von € 20.500,00 überschreitet. In diesem Fall müsste ab dem Zeitpunkt der Überschreitung das Arbeitszimmer dann doch als Betriebsvermögen ausgewiesen werden.

  • Die zweite Möglichkeit zur Vermeidung der Besteuerung, weil Sie die erste Variante nicht für sich in Anspruch nehmen können, ist das Hinausschieben der Versteuerung. Dies gelingt mit Hilfe von §6b EStG durch die Bildung und Übertragung einer Rücklage. Wenn die Bildung der Rücklage kombiniert wird mit der Nutzung von Freibeträgen oder begünstigten Steuersätzen, die im Zuge einer Betriebsaufgabe oftmals angewendet werden können, gelingt es vermutlich, die tatsächliche Steuerbelastung zu reduzieren.
  • Die dritte Möglichkeit zur Besteuerungsvermeidung besteht darin, sich gegebenenfalls auf einen Musterprozess beim BFH zu berufen. Hier wird nicht nur darüber gestritten, wie der Gewinn zu berechnen ist. Vielmehr wird auch noch darüber geurteilt, ob ein einzelner Raum isoliert betrachtet überhaupt als Wirtschaftsgut zum Betriebsvermögen gehören kann.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Geltendmachung von Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer oftmals nur auf den ersten Blick ein schönes Steuersparmodell darstellt. Bei genauem Hinschauen entpuppt sich das häusliche Arbeitszimmer dann manchmal stattdessen als Steuerfalle. Wenn Sie Fragen zu dieser Thematik haben, kommen Sie gern auf uns zu!

Sie haben weitere Fragen zu diesem oder anderen Steuer-Themen? Schreiben Sie uns einfach. Wir helfen Ihnen gern.

 

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