Verringerung der zumutbaren Eigenbelastung

vor 5 Tagen

Mit dem BFH-Urteil vom 19.01.2017 hat ein Steuerpflichtiger zugunsten aller Steuerpflichtigen erstritten, dass sich die Berechnung der sogenannten zumutbaren Eigenbelastung nach § 33 Abs. 3 Satz 1 EStG deutlich zugunsten der Steuerpflichtigen verschiebt. Damit kann sich eine deutliche steuerliche Entlastung ergeben.

Aus dem Urteil ergibt sich nämlich, dass nur der Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte, der jeweils den im Gesetz genannten Grenzbetrag übersteigt, mit dem jeweils höheren Prozentsatz belastet wird. Dies bedeutet, dass entgegen der Verwaltungsauffassung laut BFH für die Ermittlung der zumutbaren Belastung kein starrer Prozentsatz anzuwenden ist, sondern die Berechnung stufenweise erfolgen würde.

Eigentlich soll die geänderte Berechnungsweise umgehend schon im Rahmen der automatisierten Erstellung der Einkommensteuerbescheide berücksichtigt werden.

Unser Tipp:

Wir empfehlen, Ihnen in jüngerer Zeit zugegangene Steuerbescheide dahingehend zu überprüfen, ob diese geänderte Berechnungsweise der zumutbaren Eigenbelastung im Einzelfall bereits berücksichtigt wurde. Sollte dies nicht der Fall sein, ist aus unserer Sicht das Einlegen eines Einspruchs empfehlenswert.

Einstufung einer GbR als freiberuflich unterliegt engen Grenzen

vor 2 Wochen

Der BFH stellt hohe Ansprüche, damit eine GbR als freiberuflich eingestuft wird. Im konkreten Fall ging es um ein Übersetzungsbüro, das als GbR auf dem Gebiet der technischen Übersetzungen tätig war. Das Unternehmen erstellte für Kunden technische Handbücher, Bedienungsanleitungen und ähnliche Dokumentationen, indem diese aus oder in andere Sprachen übersetzt wurden. Dabei erfolgten die Übersetzungen auch in Sprachen, die die Gesellschafter selbst nicht beherrschten, sondern für die sie Fremdübersetzer beauftragen mussten. Das Finanzamt stufte die Tätigkeit der GbR als gewerbliche Tätigkeit ein und erließ daraus folgend Gewerbesteuermessbescheide.

Nur wenn sie alle Leistungen selbst erbringen kann, ist eine GbR als freiberuflich einzustufen

Die Klage der GbR wurde abgewiesen, denn der BFH bestätigte die Entscheidung des Finanzamts (BFH-Urteil vom 21.02.2017, Aktenzeichen VIII R 45/13). Dies erfolgte unter Hinweis auf die eigenen Kenntnisse der GbR-Gesellschafter. Nur wenn die Gesellschafter aufgrund eigener Sprachkenntnisse in der Lage gewesen wären, die Übersetzungsleistung selbst vorzunehmen oder fachlich entsprechend ausgebildete Mitarbeiter dahingehend anzuleiten, wäre die Tätigkeit der GbR als freiberuflich einzustufen gewesen.

Das Urteil könnte auch andere Freiberufler treffen

Die Gefahr besteht, dass dieses Urteil auch auf andere Berufsgruppen übertragen wird. Beispielsweise könnten Architektur- oder Ingenieurbüros, die Leistungen als Generalplaner erbringen, durchaus Gefahr laufen, ebenfalls als gewerbliche Unternehmen eingestuft zu werden. Dies kann dann der Fall sein, wenn das Architekturbüro selbst nicht alle Leistungen als Generalplaner im eigenen Büro erbringen kann und aus diesem Grund Leistungen größeren Umfangs an Subunternehmer überträgt, die beispielsweise die technische Gebäudeausrüstung oder die Tragwerksplanung vornehmen.

Unser Tipp:

Im Zweifelsfall sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie nur die im eigenen Büro fachlich möglichen Auftragsbestandteile auch selbst annehmen und den Auftrag gegebenenfalls in mehrere Bestandteile aufsplitten.

Wenn Sie Fragen zu dieser Entscheidung haben, sprechen Sie uns gern an.

Häusliches Arbeitszimmer

vor 2 Monaten

Mit einem Urteil des BFH vom 22. Februar 2017 unter dem Aktenzeichen IIIR9/16 hat sich der BFH nochmals dazu geäußert, wann die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer für Selbstständige steuerlich berücksichtigungsfähig sind.

Ein häusliches Arbeitszimmer ist unter bestimmten Voraussetzungen absetzbar

Grundsätzlich gilt, dass die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann steuerlich berücksichtigungsfähig sind, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Klarstellend dazu hat der BFH mit dem bereits erwähnten Urteil entschieden, dass bei einem Selbstständigen der in seinen Betriebsräumen vorhandene Schreibtischarbeitsplatz nicht zwangsläufig mit einem solchen zumutbaren anderen Arbeitsplatz gleichzusetzen ist.

Ein Fall aus der Praxis:

Im angesprochenen Fall ging es um einen selbstständig tätigen Heilberufler, der seine Tätigkeit in zwei Praxen in jeweils angemieteten Räumen ausübte. Die für Bürotätigkeiten vorhandenen Räume wurden überwiegend von seinen Angestellten benutzt, sodass der Heilberufler für seine eigenen Verwaltungsarbeiten ein häusliches Arbeitszimmer benutzte.Das Finanzamt hatte die Aufwendungen nicht zum Abzug zugelassen, wogegen der Heilberufler klagte und vom Finanzgericht Recht bekam.

Die Richter urteilten, dass im konkreten Fall die Erledigung der Verwaltungs- und Büroarbeiten in den Praxisräumen wegen der überwiegenden Nutzung seiner Angestellten nicht zumutbar sei. Aus diesem Grund seien die Aufwendungen für sein häusliches Arbeitszimmer begrenzt mit maximal 1.250 EUR pro Jahr abzugsfähig. Der BFH hat diese Auffassung des Finanzgerichts bestätigt.

Unser Tipp:

Lassen Sie sich vom Finanzamt nicht widerspruchslos die Kosten für Ihr häusliches Arbeitszimmer streichen. Mit einer guten Argumentation unter Vorbringung der tatsächlichen Gegebenheiten ist es sehr wohl möglich, diese Kosten steuerlich berücksichtigungsfähig zu machen. Bei Fragen sprechen Sei uns gern an!

Elektronische Kontoauszüge

vor 2 Monaten

Grundsätzlich sind elektronische Kontoauszüge steuerlich anzuerkennen, da an sie keine höheren Anforderungen als an elektronische Rechnungen zu stellen sind.

Aufbewahrungspflichten für elektronische Kontoauszüge bei Unternehmern

Für Unternehmer und Selbstständige gilt jedoch, dass elektronische Kontoauszüge auch in der übermittelten (also elektronischen) Form aufzubewahren sind. Es ist nicht ausreichend, diese Kontoauszüge in Papierform aufzubewahren.

… und Privatleuten

Für Privatleute besteht dagegen keine Aufbewahrungspflicht in elektronischer Form. Aus diesem Grund ist es auch völlig in Ordnung, bei Steuererklärungen als Zahlungsnachweis anstelle von konventionellen Kontoauszügen ausgedruckte online-Bankauszüge anzuerkennen.

All dies hat das Bayrische Landesamt für Steuern mit einer Verfügung vom 20. Januar 2017 unter dem Aktenzeichen S0317.1.1-3/5Ft42 geregelt.

Unser Tipp:

Im Zweifel lieber zu viel als zu wenig archivieren und später entsorgen als wegen der Verletzung von Formalien eine Steuerentlastung zu verlieren!

Bikeleasing als Alternative zum Dienstwagen

vor 2 Monaten

Will der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer etwas Gutes tun, kann seit 2012 ein neu gekauftes Fahrrad zum Dienstfahrrad werden. Für den Arbeitgeber ergibt sich durch Bikeleasing eine Betriebsausgabe und für den Arbeitnehmer eine günstige Alternative an das Traumfahrrad zu kommen.

Als Arbeitnehmer nutzen Sie das Fahrrad sowohl für den Weg zur Arbeit als auch für einen Familienausflug. Für die private Nutzung müssen Sie 1% des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Als Listenpreis gilt die auf volle 100 € abgerundete unverbindliche Bruttopreis-Empfehlung des Händlers / Herstellers zum Zeitpunkt der ersten Nutzung.

Eine Beispielrechnung zur Verdeutlichung:

Barlohnumwandlung mit

Fahrrad im Wert von 2.299 €

Gehaltsabrechnung

ohne Fahrrad

Bruttogehalt3.000,00 €3.000,00 €
Abzüglich Leasingrate– 82,65 €0,00 €
Bruttogehalt nach Umwandlung= 2.917,35 €= 3.000,00 €
Zzgl. geldwerter Vorteil (1% vom Neupreis)+22,00 €0,00 €
Berechnungsgrundlage zur Versteuerung2.939,35 €3.000,00 €
Abzüge (Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer, Sozialversicherungsbeiträge)-1.104,73 €-1.135,73 €
Summe Nettogehalt= 1.834,61 €= 1.864,27 €
Abzug 1 % Fahrrad-22,00 €0,00 €
Auszahlungsbetrag auf Konto= 1.812,62 €= 1.864,27 €

 

Durch die Gehaltsumwandlung ergibt sich für den Arbeitnehmer für ein Fahrrad im Wert von 2.299,00 € eine „Netto-Leasingrate“ von gerade einmal 51,65 €.

Weitere steuerliche Entlastungen beim Bikeleasing im Unterschied zum Dienstwagen

Beim Dienstwagen ist der Anfahrtsweg zur Arbeit zu versteuern – beim Dienstfahrrad wird darauf verzichtet, solange die Fahrräder nicht schneller fahren als bis 45 km/h. Erst wenn dies der Fall ist, wird das Fahrrad einem Dienstwagen gleichgesetzt und die 0,03% des Kaufpreises je Kilometer für Fahrten zwischen Wohnort und erster Tätigkeitsstätte sind als geldwerter Vorteil zu versteuern.

Diese Gestaltung innerhalb Ihrer Gehaltsabrechnung kann natürlich nur mit Zustimmung Ihres Arbeitgebers erfolgen. Oftmals erhält der Arbeitgeber bei der Leasingfirma sogar bessere Konditionen als Sie sie als Privatperson erhalten würden.

Unser Tipp:

Sollten Sie sich für dieses Model entscheiden, ist die vertragliche Ausgestaltung sehr wichtig. Im Zuge des Rahmenvertrages mit der Leasingfirma sollte ein Überlassungsvertrag an den Arbeitnehmer aufgesetzt werden. Dieser regelt unter anderem die Nutzungsberechtigten.

 

Änderungen bei den Registrierkassen

vor 2 Monaten

Wir haben Sie in unserem Blog bereits laufend über die Änderungen zu den Registrierkassen seit 2017 informiert, um Ihnen unliebsame Überraschungen durch die Verschärfungen, die zum 01.01.2017 eingetreten sind, zu ersparen.

Keine Verpflichtung zur elektronischen Kassenführung

Diejenigen von Ihnen, die auch weiterhin keine elektronische Kasse sondern eine mechanische Registrierkasse in Ihrem Unternehmen im Einsatz haben, haben sich vielleicht gefragt, was wird denn aus mir und meinem Kassensystem. Hierzu hat ein BMF-Schreiben aus September 2016 Klarheit gebracht: Zwar lief die von der Finanzverwaltung gewährte Übergangsregelung zum 31.12.2016 aus. Natürlich kann aber niemand gezwungen werden, sich eine elektronische Registrierkasse nach Vorgaben der Finanzverwaltung anzuschaffen. Sie müssen also in einem solchen Fall nicht umrüsten und können stattdessen weiterhin Ihre mechanische Registrierkasse benutzen.

Ohne elektronische Registrierkassen sind Prüfungen durch die Finanzverwaltung jedoch sehr wahrscheinlich

Bei Weiternutzung einer mechanischen Registrierkasse müssen Sie sich darauf einstellen, zukünftig noch stärker von der Finanzverwaltung unter die Lupe genommen zu werden. Wenn Sie also unliebsame Überraschungen vermeiden wollen, müssen Sie bestimmte Mindestaufzeichnungen führen und aufbewahren. Sie müssen also:

  • jede Betriebseinnahme und –ausgabe erfassen,
  • jede Einlage und Entnahme erfassen,
  • jeden Geschäftsvorfall klar aufzeichnen,

Dies wiederum bedeutet, dass Sie für jedes Geschäft nennen müssen, was Sie wann an wen verkauft haben. Eine Ausnahme gilt nur beim Verkauf von Waren von geringem Wert an eine unbestimmte Anzahl unbekannter und nicht feststellbarer Personen.

  • Bareinnahmen anhand eines täglichen Kassenberichts nachweisen, in dem Sie die täglichen Einnahmen mit dem Anfangs- und Endbestand der Kasse abstimmen,
  • den Bargeldbestand täglich zählen und mit dem im Kassenbericht ausgewiesenen Bestand vergleichen.
Unser Tipp:

Wenn Ihnen diese verschärften Anforderungen nicht durchführbar erscheinen, sollten Sie überlegen, ob es nicht doch sinnvoll ist, sich eine elektronische Kasse anzuschaffen. Wenn Sie allerdings eine elektronische Registrierkasse nutzen, müssen Sie seit dem 01.01.2017 die von uns früher bereits dargestellten Auflagen ohne Einschränkungen erfüllen.

 

Focus Money Top Steuerberater

Top Steuerberater laut FOCUS Money

vor 3 Monaten
Auch in 2017 hat Focus Money wieder Steuerberater getestet.

In dem an 10000 Steuerberater versandten umfangreichen Fragebogen wurden nicht nur Kennzahlen der Kanzleien sowie deren Fachkompetenz abgefragt,  sondern auch, ob die teilnehmenden Kanzleien die digitalen Entwicklungen und den Wandel der Branche im Blick haben.

Wir freuen uns sehr, an dieser Umfrage erfolgreich teilgenommen zu haben: wir zählen zu den 300 Steuerkanzleien, die laut Focus Money die Zeichen der Zeit bereits erkannt haben, über hohe Fachkompetenz verfügen und ein hohes Maß an Spezialisierung mit sich bringen.

Einzelheiten zum Ergebnis erfahren Sie im folgenden Artikel von FOCUS Money. TOP-Steuerberater-3.pdf

Damit wir Sie als unsere  gewerblich, unternehmerisch und selbstständig  tätigen Mandanten auf den richtigen Kurs bringen können, bieten wir neben den klassischen Steuerberatungsleistungen wie Rechnungswesen, Jahresabschluss sowie betriebliche und private Steuererklärungen zahlreiche andere Beratungsleistungen an. Wir bearbeiten Ihre Unterlagen ganz wie Sie es wünschen: in Papierform oder digital. Auch die Auswertungen können wir Ihnen ganz nach Wunsch zur Verfügung stellen.

Wir individualisieren Ihre betriebswirtschaftlichen Auswertungen und geben ihnen Hinweise, wenn es aus unserer Sicht besonders gut oder besonders schlecht läuft. Wir analysieren die Situation und weisen bspw. darauf hin, mit welchen Steuernachzahlungen Sie künftig rechnen müssen, damit Sie nicht irgendwann vom Erfolg ihres Unternehmens finanziell böse überrascht werden. Wenn es einmal nicht so gut läuft, beantragen wir beim Finanzamt die Herabsetzung Ihrer laufenden Einkommensteuer- Vorauszahlungen, damit Sie unterjährig nicht unnötig finanziell belastet werden. Auch bei Bankgesprächen stehen wir Ihnen gern unterstützend zur Seite.

Nutzen Sie die Gelegenheit und lernen Sie uns kennen! Vereinbaren Sie gern ein kostenloses Kennenlerngespräch, damit wir auch für Sie künftig der Lotse im Fahrwasser des Steuerrechts sind.

 

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Wir wurden ausgezeichnet – Beste Steuerberater 2017

vor 5 Monaten

Kruse-Lippert Steuerberatung gehört laut Handelsblatt zu den besten Steuerberatern in Hannover.

Rund 1400 von 7000 eingeladenen Kanzleien haben sich den Fragen des Handelsblatts in Zusammenarbeit mit dem sozialwissenschaftlichen Institut Schad gestellt. Mit einer online Umfrage wurden die Kriterien Fachberater, Basiswissen und Fachkompetenzen abgefragt.

Ich freue mich über die Auszeichnung des Handelsblatts und werde auch weiterhin versuchen, meine Mandanten als Lotse im Fahrwasser des Steuerrechts zu begleiten.

Weitere Informationen können Sie den Beitrag im Handelsblatt entnehmen. http://www.handelsblatt.com/finanzen/steuern-recht/steuern/ranking-top-steuerberater-und-ihre-groesste-herausforderung/19511566.html

Die Tabelle der Top-Steuerberater können Sie hier einsehen: http://www.handelsblatt.com/finanzen/nach-staedten-das-sind-deutschlands-top-steuerberater/19500188.html

Kein Sonderausgabenabzug für Krankenversicherungsbeiträge

vor 5 Monaten

– Ohne Datenübertragung

Auch wenn das Jahr noch relativ jung ist, möchten wir Ihnen jetzt schon einen Tipp zur Steuerersparnis 2017 mit auf den Weg geben:

Für den Fall, dass Sie erstmals eine Krankenversicherung und Pflegeversicherung abgeschlossen oder den Versicherer gewechselt haben, empfehlen wir Ihnen unbedingt darauf zu achten, dass Sie dem Versicherer Ihre Zustimmung zur Datenübertragung an das Finanzamt erteilt haben. Wenn nämlich die Daten nicht an das Finanzamt übermittelt wurden, können Sie die Krankenversicherungsbeiträge nicht als Sonderausgaben steuermindernd geltend machen. Dies hat jüngst das Finanzgericht Berlin-Brandenburg entschieden (Urteil vom 17.11.2016, AZ: 13 K 13 119/15).

Im konkreten Fall ging es darum, dass einem Steuerzahler der Sonderausgabenabzug für seine Basis- Krankenversicherungsbeiträge und Pflegeversicherungsbeiträge in Höhe von 2.700,00 € nicht gewährt worden war. Das Finanzamt begründete die Nichtberücksichtigung damit, dass er seinem Versicherer die Zustimmung zur Datenübermittlung nicht erteilt hatte. Diese wiederum ist jedoch nach § 10 Abs. 2a EStG erforderlich. Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg hat dem Finanzamt bestätigt, alles richtig gemacht zu haben. Es verweist darauf, dass eine Papierbescheinigung über die geleisteten Beiträge die fehlende Einwilligung in die Datenübermittlung nicht ersetzt. Es konnte auch keinen Verstoß gegen die Verfassung feststellen.

 

Unser Tipp:

Prüfen Sie unbedingt, ob Sie dem Versicherer Ihre Einwilligung zur Datenübermittlung erteilt haben. Anderenfalls werden Sie nicht in den Genuss der Steuersenkung durch Ihre gezahlten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung kommen.

Haushaltsnahe Dienstleistungen

vor 5 Monaten

 – die Steuerlast senken: Wie geht das?

Sicherlich haben Sie auch schon davon gehört, dass Sie Kosten für Arbeiten, die normalerweise von Ihnen selbst oder Ihren Familienangehörigen im Haushalt ausgeführt werden, mindestens teilweise von der Steuer absetzen können, wenn Sie damit einen Handwerker oder Dienstleister beauftragen. Doch was ist zu beachten, damit für den Fall, dass Sie keine Zeit oder Lust haben, Ihre Fenster oder Wohnung zu putzen, die Gartenarbeit zu erledigen, Wäsche zu waschen oder zu bügeln und sich dazu fremder Hilfe bedienen, die natürlich zu bezahlen ist, von der Steuer absetzen können?

Wir wollen Ihnen einen kurzen Überblick geben, welche Punkte Sie beachten müssen, damit Sie insgesamt bis zu 4.000,00 € direkt von Ihrer Steuerschuld abziehen können!

 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Eine Voraussetzung ist, dass Sie als Privatperson Arbeiten in Auftrag gegeben haben, die ansonsten Mitglieder Ihres Haushaltes oder Sie selbst übernehmen würden. Die Tätigkeit muss eine reine Dienstleistung sein, die tatsächlich in Ihrer Wohnung, Ihrem Haus oder auf dem dazugehörigen Grundstück ausgeführt wird.

Arbeiten, die normalerweise durch einen Fachmann ausgeübt werden, sind keine haushaltsnahen Dienstleistungen, sondern können als Handwerkerleistungen zusätzlich in Höhe bis zu 1.000,00 € von Ihrer Steuerschuld abgezogen werden.

Damit die Kosten steuerlich berücksichtigt werden können, müssen Sie einen selbständigen Dienstleister oder eine Firma mit den haushaltsnahen Arbeiten beauftragen, die Ihnen eine Rechnung für die geleisteten Arbeiten ausstellt, die Sie wiederum überweisen. Barzahlung wird steuerlich im Normalfall nicht berücksichtigt. Der Steuerabzug errechnet sich aus den anfallenden Arbeits-, Fahrt- oder Maschinenkosten für die haushaltsnahe Dienstleistung. Von dem seitens der Firma ausgewiesenen Betrag bis zu 20.000,00 € mindern 20 % Ihre persönliche Steuerschuld, so dass das maximal einen Abzug bis zu 4.000,00 € ergibt. Wenn Sie beispielsweise Ihr Haus entrümpeln lassen, könnten Sie auf die dafür entstehenden Kosten als haushaltsnahe Dienstleistung nach § 35a EStG steuermindernd berücksichtigen.

Allgemeine Müllgebühren können Sie nicht absetzen. Ebenfalls nicht abziehbar sind Nachhilfe- oder Musikunterricht für Ihre Kinder, auch dann nicht, wenn er bei Ihnen zu Hause erteilt wird. Auch die Kosten für Grabpflege sind nicht berücksichtigungsfähig. Beispiele für steuerlich absetzbare haushaltsnahe Dienstleistungen sind u. a.:

  • Kinderbetreuungskosten
  • Versorgung und Betreuung von Haustieren in der eigenen Wohnung
  • Reinigung Ihrer Wohnung, von Teppichen oder Fenstern
  • Schneeräumarbeiten und Fußwegreinigung, selbst, wenn Sie auf öffentlichen Gehwegen durchgeführt wird
  • Hausmeisterleistungen sowie Gartenarbeiten innerhalb des Grundstücks wie beispielsweise Rasen mähen, Baum- oder Heckenschnitt.

 

Tipp: Ausweis von Arbeits-, Fahrt- oder Maschinenkosten und Überweisung

Neben der Durchführung in oder an Ihrem Haushalt ist unbedingt darauf zu achten, dass die Rechnung des durchführenden Dienstleisters nach Arbeits- und anderen Kosten aufgeschlüsselt sind. Wir empfehlen Ihnen aus diesem Grund, keine Rechnung zu bezahlen, die nicht entsprechend ausgestellt ist, da sie ansonsten steuerlich nicht berücksichtigt werden kann. Verlangen Sie in einem solchen Fall unbedingt eine neue Rechnung!

Sollten Sie ein Au-Pair in Ihrem Haushalt aufgenommen haben, können auch Teile dieser Aufwendungen bei den haushaltsnahen Dienstleistungen angesetzt und steuermindernd berücksichtigt werden. Am besten ist es dabei, dass das Au-Pair möglichst komplett für die Kinderbetreuung zuständig ist und Sie dies auch vertraglich genauso vereinbart haben. Dann können Sie nämlich die Ausgaben für das Au-Pair als Sonderausgaben in Ihrer Steuererklärung geltend machen. Eine Kopie des Au-Pair-Vertrages dürfte in diesem Fall als Beleg genügen.

Tipp: Steuerabzug jahresübergreifend nutzen

In vielen Fällen ist es ja so, dass Sie jahresübergreifend haushaltsnahe Dienstleistungen an einen Dienstleister vergeben. In einem solchen Fall ist es sinnvoll, zum Jahreswechsel zu prüfen, wie weit Sie Ihre Möglichkeiten zum Steuerabzug bereits ausgeschöpft haben. Wenn Sie die Höchstbeträge überschreiten, empfiehlt es sich, einen Teil der Zahlung ins neue Jahr zu verschieben. Die Ausführung der Arbeiten ist für das Finanzamt nämlich nicht von Bedeutung sondern das Datum der Überweisung.

Tipp für pflegebedürftige Personen:

Auch pflegebedürftige Personen haben Möglichkeiten des Steuerabzugs, der teilweise sogar weitergeht als im Normalfall: Wenn Sie wg. Krankheit oder Pflegebedürftigkeit vorübergehend außerhalb Ihres Hauses oder Ihrer Wohnung leben müssen, können Sie beispielsweise einen Friseurbesuch oder die Kosten für die Fußpflege als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen, obwohl diese Dienste normalerweise nicht von einem Angehörigen Ihres Haushaltes geleistet werden. Auch die Aufwendungen für ein Notrufsystem können als haushaltsnahe Dienstleistungen anerkannt werden, wenn dieses Notrufsystem innerhalb einer Wohnung im Rahmen von betreutem Wohnen eine 24-stündige-Hilfeleistungsgarantie bring.

Tipp: Auslandsimmobilien

Haben Sie eine Immobilie im Ausland, die sie selbst nutzen, können Sie einen zur Pflege der Immobilie beauftragten Hausmeisterdienst unter den oben bereits erwähnten Voraussetzungen in Deutschland steuermindernd berücksichtigen. Dies gilt für alle Ferien- oder Zweitwohnungen, die innerhalb der 28 EU-Staaten bzw. der Mitglieder im Europäischen Wirtschaftsraum liegen.

Steuerabzug für Vermieter

Haben Sie eine solche Immobilie vermietet, sind die Kosten nicht als haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen abzugsfähig, sondern werden als Werbungskosten bei Vermietung und Verpachtung steuerlich berücksichtigt. Voraussetzung ist natürlich auch hier eine korrekte Rechnung. Auch wenn derartige Kosten nicht als haushaltsnahe Dienstleistungen abgesetzt werden können, sind sie also dennoch steuerlich relevant.

 

Wenn Sie unsicher sind, welche Kosten Sie wo in Ihrer Steuererklärung ansetzen können, rufen Sie uns an, wir helfen Ihnen gern weiter!